27.11.2008

On the Road

No Gravatar

L+T:
Leider ist das Wetter sehr regnerisch und gewittrig, daher schreiben wir halt viel :) .

15. November:
Heute Morgen standen wir früh auf und wuschen unsere Kleider sowie uns selbst. Auf dem Campingplatz schenkte uns ein netter Herr, mit dem wir geplaudert hatten eine Flasche Rotwein. Der Wein kam direkt aus Mudgee, wo wir den Tag verbracht haben. Samstags ist in Mudgee richtig viel los! Viele Leute, eine gute Stimmung, volle Cafés und Läden, sowie ein Wochenmarkt. Wir schlenderten durch die kleine Stadt und kauften auf dem Markt frische Oliven und Honig. Der nette Mann, der uns die Flasche Wein geschenkt hatte, hat uns den “Dunns Swamp” empfohlen im Wollemi National Park. Wir entdeckten auf dem Markt einen Flyer über den Dunns Swamp und beschlossen dort auf einem Campingplatz die Nacht zu verbringen.
Nach einer Holperpiste kamen wir schliesslich bei den Sümpfen an und waren erstaunt, wie viele Leute es hier hin geschafft hatten. Im Reiseführer haben wir dann gelesen, dass der Wollemi National Park zu den Blue Mountains gehört, die Weltnaturerbe sind. Der Wollemi National Park haben wir gelesen, sei noch nicht so von Touristen bevölkert, wie der Blue Mountains National Park. Trotzt den vielen Menschen haben wir dennoch ein einsames Plätzchen auf verwaschenen Felsblöcken gefunden. Diese Felsen sind neben dem Sumpf die Hauptattraktion des Wollemi National Parks. Am Fusse einer dieser Blöcke waren Felsmalereien der Aborigines. Handabdrücke, die mit Ockerfarbe auf den Fels gesprüht wurden. Die Aborigines lebten hier seit 12′000 Jahren und die Malereien sind mehr als 7′000 Jahre alt. Bemerkenswert ist, dass die Malereien frei zugänglich sind. Sie werden nicht besonders erwähnt oder geschützt. Es steht einzig ein Schild vor dem Felsen, das auf das Alter  und Herkunft der Malerei hinweist.

16. November:
Heute Morgen standen wir vor allen anderen Touristen auf. Um 8:00 Uhr befanden wir uns schon auf dem Rundweg um den Sumpf. Denn am Morgen oder am späten Nachmittag können hier Schnabeltiere gesichtet werden. Wir kletterten auf den Felsgebilden rum und genossen die wunderschöne Aussicht. Wir sichteten leider kein Schnabeltier. Auf dem Rückweg begegneten uns die ersten Wanderer aus dem Camp Ground. Am frühen Nachmittag setzten wir unseren Weg weiter nach Osten fort. Wir befuhren natürlich den Greater Blue Mountains Drive, ein Must für alle Blue Mountains Besucher. Auf dem Aussichtspunkt Echo Point drängten wir uns durch Japanische und Indische Reisegruppen an die Brüstung und machten das Foto der Three Sisters, das Gleiche wie alle andern. Aber sehr schön war die Aussicht der weiten, von Eukalyptus bewaldeten Berge natürlich schon. Blau wirken sie, weil die ätherischen Öle der Eukalypten leicht Hellblau scheinen.
Es begann wieder zu regnen. Auf der ersten Raststätte durfte man nicht übernachten. Auf unserer Campinkarte fanden wir doch noch ein Symbol für einen Schlafplatz. Dieser war zwar weit entfernt, aber er war dennoch der nächste, vor Sydney. Nach einer Stündigen Fahrt im strömenden Regen, fanden wir das Angegebene Dorf, wo es aber kein Camping weit und breit gab. Ein junger Mann erklärte uns dann, wo der Campground stattdessen ist und wo der nächste Campingplatz zu finden sei. Der Campingplatz hatte bereits geschlossen. Die Gaskartusche war leer. Der Regen goss weiter auf uns nieder. Langsam wurden wir grantig. Wie durch ein Wunder erreichten wir nach einer Weiteren Stunde Fahrt doch noch den Campground, den wir seit dem späten Nachmittag gesucht hatten. Das Gate war geschlossen. Wir beendeten den Tag mit Wein und Toast, was natürlich zu übelstem Magenbrennen führte und schliefen vor dem Tor.

17. November:
Die Vorfreude ist gross, wir sehen Sydney wieder. Über Liverpool fuhren wir in unsere Australische Lieblingsstadt. Nach einigem Suchen hatten wir ein Parking gefunden. Das erste Parkhaus verlangte 20$ per hour, war aber für lange Fahrzeuge gedacht, wie wir später feststellten. Beim Zweiten bezahlten wir dann 20$ für 12 Stunden. Wir fanden Ohne Karte dort hin wo wir wollten. Und zwar als erstes wie wir es jeden Tag gemacht hatten ins Kings Cross Hotel um einen 2.50$ Schwarztee zu trinken. Um zwei Uhr begannen wir mit dem Rundgang durch das bekannte Australian Museum of Sydney. Völlig fasziniert von den verschiedenen Ausstellungen begannen wir im untersten Stock mit der Abteilung “Ureinwohner” und “Skelette”. Wir nahmen uns sogar den mittleren Stock vor, “Mineralien”. Wir beschritten diese Abteilung sogar mit gemässigtem Tempo. Sonst werden von uns derartige Ausstellungen forschen Schrittes durchquert. In Australischen Museen verstehen sie es jedoch sogar Mineralienausstellungen spannend zu gestalten. Als wir also endlich bei dieser Ausstellung ankamen weswegen wir gekommen waren “Surviving Australia”, wurden wir 10 Minuten später aus dem Gebäude gebeten, weil das Museum schliessen wollte. Wir besuchten die Schönsten Plätze Sydneys noch einmal. Den Hydepark, in dem wir den Skatern zuschauten und natürlich den Darling Harbour wo wir ein Subwaysandwich mit diebischen Möwen teilten. Wir wanderten durch die Stadt zurück zum Kings Cross und genossen die wunderbare Stimmung. Es war schon dunkel als wir über die Harbourbridge nach Norden aus der Stadt fuhren.

18. November:
Nachdem sich der Kreis mit Sydney nun geschlossen hatte, mussten wir uns jetzt überlegen was wir mit dem restlichen Monat machen wollten. Da wir seit Adelaide die Wüste sehnlichst vermissen, nicht nur wegen ihrer Schönheit uns stille, sondern auch weil es seit ca. drei Wochen regnet, beschlossen wir das New South Wales Outback noch ein bisschen besser kennen zu lernen. Ein weiterer Ansporn dazu war, dass wir im Vergleich zum Goldsuchen, beim Opalsuchen “noodling” grosse Erfolge verzeichneten und das Outback von New South Wales noch einige Orte besitzt, wo der Opal abgebaut wird. Und zwar nicht irgendein Opal, sondern der Seltenste, der Black Opal! Lightning Ridge ist einer von drei Orten der Welt, wo der Black Opal vorkommt und der weltweit einzige Ort, wo dieser gefördert wird. Da wir bei der Hinfahrt nach Sydney die Stadt Broken Hill ausgelassen haben, beschlossen wir, auch diese zu besuchen. Auf dem Weg freuen wir uns auch auf den Mungo National Park. Dieser wurde als erste Region Australiens in das Verzeichnis der Weltnaturerben aufgenommen.
Also haben wir unseren Tank aufgefüllt, die Vorräte aufgestockt und letztendlich die Gasflasche füllen lassen. Wir fuhren durch das Autobahngewirre aus Sydney heraus bis Derman, wo wir im Regen kochten und übernachteten.

Es wird der Adobe Flash Player benötigt und im Browser muss Javascript aktiviert sein..

19. November:
Heute fuhren wir über die Great Dividing Ranges, eine Gebirgskette, die sich von Süden nach Norden fast durch den gesamten Kontinent zieht. Es regnete den ganzen Tag und wir fuhren ein weites Stück. Am Abend kamen wir in dem kleinen Städtchen Nyngan an und hüpften als erstes unter eine heisse Dusche. Bevor ein grosses Gewitter aufzog, packten wir all unsere Sachen in die Waschküche des Campingplatzes und machten es uns dort gemütlich. Wir kochten und wuschen all unsere Kleider, sowie Bettbezüge und putzten das Auto raus.

20. – 22. November:
Wir fuhren weiter Richtung Broken Hill. Nach einigen Warnschildern im Abstand von 20km auf denen sich die angedrohten Bussen stetig übertrafen, gaben wir nach. Weil keine Fruchtfliegen über diese imaginäre Grenze mitgenommen werden dürfen, mussten wir all unsere Früchte verschlingen. Wir pumpten uns innerhalb von wenigen Minuten mit Unmengen von Vitaminen voll. Es waren sieben Kiwis und zwei Bananen.
Nachdem wir 1000km ins Outback gefahren waren um Broken Hill zu sehen, lasen wir im Reiseführer, dass sich Stopps auf dieser Strecke nicht lohnen würden, dass man aber in Broken Hill einige Stunden investieren sollte. Wir blieben drei Tage.
Am Ersten Tag wurde Tobi nach geschlagenen drei Minuten von der Polizei angehalten und musste ins Röhrchen blasen. Da wir aber alle Früchte gegessen, und ausser Orangensaft nichts getrunken hatten, durften wir weiterfahren. (Ist der Abschiedsspruch “Catch you later” nicht etwas unangebracht bei einem Polizisten?)
In der Nähe von Broken Hill besuchten wir die kleine Geisterstadt Silverton. Wir gaben wieder einmal zu viel Geld aus für ein Australisches Kleinstadtmuseum. Diese beinhalten im Wesentlichen ausgewählte Objekte aus den Gerümpelkammern sämtlicher Bürger. Einer der Schaukasten hätte man mit “Wischmopps über die Zeit” anschreiben können. Wir amüsierten uns aber prächtig.

23. – 24. November:
Nachdem uns in Broken Hill schon etwas langweilig geworden war, wurden wir übermütig. Wir wollten einen Nationalpark besuchen, der zu erreichen nicht ganz leicht ist. Im Prospekt vom Mungo NP standen Dinge wie: “Take extra FUEL and extra WATER with you!” und es sei nicht erlaubt, die Dirt Roads (Ungeteerte Strasse) zu befahren, wenn sie nass sind. Wir informierten uns über den Zustand der Strassen, kauften noch einmal den bewährten Dosenfood ein, tankten voll und machten uns dann auf den Weg ins Ungewisse. Nach vier Stunden Fahrt kamen wir durchgeschüttelt und staubig beim Visitor Center des Nationalparks an. Der Mungo NP ist einer der ältesten Fundorte menschlicher Existenz. Vor 18′000 Jahren trockneten die Seen in diesem Gebiet aus und hinterliessen beeindruckende Fels- und Sandformationen, die wir uns gründlich ansahen. Unser Abendessen teilten wir uns mit vier freundlich neugierigen Kängurus unter einem sternenklaren Nachthimmel.
Am nächsten Tag merkten wir, als wir die Dirt Road schon hinter uns gelassen hatten, dass etwas ziemlich wichtiges fehlte. Mit unserem letzten Bargeld tankten wir das Auto voll, fuhren zurück und fanden das Täschchen mit allen Bankkarten und der Digicam auf der staubigen Landstrasse wieder. Dort hatte es seelenruhig drei Stunden auf uns gewartet. Wir wollten aus unserem Umweg doch noch etwas Gutes machen und wählten den anderen Weg, durch die Wüste nach Ivanhoe.

25. November:
Eine weitere Finanzkrise erreichte uns in White Cliffs. Dazu muss gesagt werden, dass White Cliffs zwar nett tönt, auf uns aber einen furchtbaren ersten Eindruck machte. Die Stadt glich einem Schrottplatz, die Menschen lebten in Barracken oder unter der Erde. Wir wurden von den Minenarbeitern im Pub auf der anderen Strassenseite feindselig angestarrt, als wären wir Ausserirdische.Das Städtchen schien provisorisch angelegt zu sein, war winzig klein, hatte nur das Nötigste und war definitiv am A. der Welt.
Nun zurück zur Finanzkrise: Wir waren im Besitz von zwei Dollar fünfunddreissig und noch etwa fünf Liter Benzin im Tank. Im Generalstore (Tante Emma-Laden), dem einzigen Laden der Stadt, fragten wir nach einem Bankomaten. Die junge Frau an der Kasse meinte, so etwas hätten sie hier nicht, das Pub, die Post und sie selbst könne uns aber Geld von unserer Karte abheben. Nur  bei der Post war es gratis, also versuchten wir es dort. Die Angestellte machte einen Kopf, als wäre sie gerade von ihrem Mann verlassen worden und teilte uns nach kurzen Bemühungen mit, dass diese Karte (Mastercard!) hier nicht funktionieren würde. Wir versuchten es also beim General Store. Die Frau an der Kasse verkündete, dass die Kreditkarte hier funktionieren würde und dass wir doch einfach tanken,  und dann mit dieser bezahlen sollten. Das taten wir. Doch die Karte funktionierte dann doch nicht. Die Kassenfrau meinte aber, wir sollten weiter versuchen Geld aufzutreiben und nicht den Kopf hängen zu lassen. Wir hatten unsere ersten Schulden. 44.38 $.
Unsere letzte Hoffnung war das Pub, das wir bisher wegen der starrenden Blicke gemieden hatten. Die Bardame meinte, dass sie im Moment noch kein Geld flüssig habe. Wir sollten bis sechs Uhr warten, bis die “Jungs aus den Minen” zurück sind. Tobi schon etwas genervt, Lena am Boden zerstört, versuchten wir es sogar mit der Postfinance-Karte  bei der Post. Dies funktionierte aber erst recht nicht. Die Frau in der Post wurde weich und erklärte uns noch etwas von einem Scheck, doch nicht einmal das wollte gehen. Die Postdame, liess ihre anderen Kunden warten und tröstete vorerst ihre jüngste Kundin, Lena. Sie lieh uns 50 Dollar, wir sollten uns ein paar Drinks gönnen und so bis sechs Uhr die Zeit totschlagen. Wir wanderten also zum Underground Motel auf einen der ausgedienten Opalschutthügeln. Die Frau an der Rezeption sagte es nicht gern, aber sie konnte uns keinen Alkohol ausschenken, weil wir keine Kunden des Hotels waren.
Um sechs Uhr standen wir beim Pub auf der Matte und baten wieder um Geld. Nun war es sicher, es lag an den Karten, denn auch dieses Mal bekamen wir kein Geld. Die Dame von der Post war zu dieser Zeit auch im Pub. Sie erbarmte sich unser. Sie stellte sich als Gale vor und nahm uns mit, zu sich nach Hause. Dort schenkte sie uns allen Champagner ein und wir tranken auf den Erfolg, den wir bestimmt haben würden. Unsere Launen hoben sich schlagartig und wir nahmen unser Problem in Angriff. Ein Telefonanruf bei Lena zu Hause wurde nicht entgegengenommen. Wir begannen ein Mail zu schreiben, denn Lenas Eltern haben die Vollmacht über unser Konto. Nach kurzer Zeit kam ein Telefon aus der Schweiz, Lenas Vater rief besorgt zurück. Wir schilderten das Problem und nach nicht einmal zwei Stunden sassen wir in guter Gesellschaft der krustigen Minen-Jungs und bestellten Bier auf eigene Kosten. Wir hatten wieder Geld. Gale kauften wir eine Flasche Champagner, dann schrieben wir zwei Dankesbriefchen mit je 50$ (Einmal die Schulden und einmal das geliehene Geld) und deponierten alles vor den verschlossenen Türen des General Stores und Gales Post Offices.
Wie der erste Eindruck doch täuschen kann. Wenn man wirklich ein Problem hat, wird einem geholfen und sehr viel Vertrauen geschenkt. Und noch etwas Gutes an White Cliffs: Es war endlich wieder einmal warm.
Und schon wieder, ein grosses Dankeschön an die Eltern, die uns zum zweiten mal aus der Patsche geholfen haben.

Kommentare

Hallo Lena und Tobi,
so viel Regen und so wenig Geld. Aber schön so viel Text von euch, herzlichen Dank. Ich bin endgültig von der Gastfreundschaft der Australier überzeugt. Liebe Grüsse Urs

Hinterlasse einen Kommentar

Dein Kommentar:

Kategorien