Nach den Komplikationen in White Cliffs haben wir uns ernsthaft überlegt, ob wir nochmals ans Ende der Welt, nach Lightning Ridge gehen wollen. Doch Lightning Ridge hat sich auf alle Fälle gelohnt.
28. November:
Nach einem Besuch im Informationszentrum von Lightning Ridge, wussten wir, was wir sehen und machen mussten. Nach dem Besuch der Galerie vom australienweit berühmten Künstler John Murray und einem Spaziergang durch die Stadt machten wir uns auf die einstündige Fahrt zu den Opalfeldern auf. “The Ridge” ist der einzige Ort der Welt, an dem der schwarze Opal abgebaut wird. Auch hier waren wir überrascht, dass das Business überhaupt nicht industriell wirkte, sondern verrückte alte Männer “Claims” von 50 auf 50 Metern besassen und diese unterirdisch durchlöcherten wie einen Emmentaler. Im Pub, das sagte uns die Dame im Infozenter, sollten wir doch bitte melden, dass wir da seien um zu Noodeln. So gingen wir ins Sheep Yard Inn, tranken Saft und warteten hoffnungsvoll auf Wolken am stahlblauen Himmel. Bei 45°C sei es nämlich nicht sehr ratsam auf den schattenlosen Hügeln herumzuwühlen. Ein Schafhirte setzte sich zu uns. Er war schon etwas angetrunken – gegen die Hitze, wie er uns erklärte. Wir unterhielten uns mit ihm und seinem Kollegen und wir verabredeten uns später am Nachmittag im anderen Pub der Gegend, dem Hilton. Dort wollten sie uns dem alten Miner Murphy vorstellen, der uns vielleicht mitnehmen würde, in seine Opalmine. Wir versuchten unser Glück auf den Noodelhaufen und waren doch ziemlich erfolgreich, wie wir dachten. Einen schwarzen Opal in der grösse einer Erdnuss. Er glitzerte in allen Farben, und sogar in Rot, das ist die wertvollste Farbe. (Wir als alte Opalkenner, wissen so etwas natürlich:)) Als sich der Himmel allmählich verdunkelte und wir fürchteten, in den staubigen Strassen stecken zu bleiben (Staub und Regen gleich Schlamm und dann Beton), fuhren wir zum Hilton.
Hilton klingt ziemlich chic, so sollte man es sich aber nicht vorstellen. Aus Brettern und Wellblech war ein Haus zusammengezimmert worden, die Küche befand sich zehn Meter weiter in einem Wohnwagen und die Bar war ausserhalb in einer Baracke. Die Leute standen unter dem Vordach zwischen Haus und Bar und tranken wie immer Unmengen von Bier. Das Gewitter kam, der Fernseher flimmerte nur noch schwach, die Lampen gingen zwischendurch aus, einige Wellbleche wurden vom Dach gerissen, und die Strasse stand 20 cm unter Wasser. Die Leute fanden es aber nicht so schlimm, vielleicht waren sie aber auch zu betrunken.:)
Die beiden Schafhirten vom Nachmittag waren zu unserem Bedauern nicht da. Wir tranken ein Bier und assen ein Steak. Gemüse gibt es im Hilton nicht, verkündete uns die Köchin. Dafür war der Salat umso reichhaltiger, mit zwei Cherrytomaten drauf! Um neun Uhr wagten sich langsam auch die auf den Weg zu machen, die kein 4WD Auto hatten. Wir waren die letzten, bis auf den Besitzer und einem bärtigen, bierbäuchigen alten Mann. Dieser sprach uns mit einem ganz urchigen Australisch an. Es war Murphy. Die beiden Schafhirten hätten ihm von uns erzählt, und wenn wir wollten, sollten wir doch hier beim Pub bleiben, dann würde er uns am nächsten Morgen, wenn das Wetter es so wollte, mit in seine Mine nehmen. Wir witterten die Chance, einem Kenner unseren grossartigen Opalfund zu zeigen. Der bärtige Miner nahm den Stein in seine knorrigen Finger und ging damit zum Licht. Er kratze etwas am Stein und meinte dann, er würde ihn uns für 50$ abkaufen. Der Pubbesitzer schaute ihn sich auch an und lachte: “Dafür bekommt ihr nicht mehr als 20$ bei einem Händler”. Um seine Worte zu unterstreichen, zeigte uns der Miner seinen Stein, rund, und oberflächlich geschliffen, wirkte der Stein wie ein Plastikstein in einer Barbiekrone. Es war überwältigend. Der Miner sagte, dafür würde er 1′500$ bekommen. Wie endtäuschend für uns. Dafür hatten wir aber das Angebot für eine Gratis- und Privatführung in einer Mine bekommen! Der Pubbesitzer bot uns seinen Parkplatz an und liess sogar das Licht bei der Toilette brennen. Wir stellten den Wecker.
29. November:
Um sieben Uhr morgens schlangen wir ein Toast runter und beteten zu Gott, dass das Wetter besser würde. Der Miner kam tatsächlich. Er meinte wir sollten besser noch eine halbe Stunde warten und dann aufbrechen, wenn die Wolken abgezogen sein würden. Wir hatten Glück. Eine Fahrt durch die Matschigen Strassen später waren wir an seinem Mineneingang. Murphy schmiss den Generator an und schloss das Gitter zu seinem Loch auf. Er betätigte den Lift, der als Personenlift diente aber auch den Schutt nach draussen beförderte. Wir wurden durch einen fünfzehn Meter tiefen und etwa ein Meter breiten Schacht in die Dunkelheit befördert. Wie es unten war, könnt ihr selbst schauen. Wir haben nämlich gefilmt. Verstehen tut ihr aber sowieso nichts, darum schreiben wir euch was Murphy gesagt hat=) : Er arbeitet in dieser Mine mit zwei Kollegen, weil aber Samstag war, wurde nicht gearbeitet. Sein Kollege hatte einen Gang gebuddelt und eine Opal ader gefunden die ihm eine Million Dollar eingebracht hatte, während Murphy keine drei Meter weiter gegraben hatte und “nur” 30′000 erzielt hatte. Vor Kurzem seien Opaldiebe in dieser Mine gewesen. Sie schleichen sich in der Nacht in fremde Minen und hacken mit Pickeln in die Wände und die Säulen ohne auf die Sicherheit der Minen zu achten.
Nach der Noodlerei am Vortag und der Aufregung am Morgen, gönnten wir uns ein Bad in den Thermalquellen von Lightning Ridge. Zum Glück war es wieder bewölkt, sonst hätten wir es wohl nicht geschafft in das 52°C warme Wasser zu tauchen. Etwas schweflig, sonst aber sauber, fuhren wir los, an die Ostküste.
30.November:
Auf dem Weg an die Ostküste machten wir einen Halt in Gunnedah “The Capital Of Koalas”. Hier sahen wir zum ersten Mal freilebende Koalas, schlafend in den Bäumen der Stadt. Jöö. In einem Café gingen wir unser gesamtes Infomaterial durch, das wir von der Küste hatten. Wir beschlossen nach Port Macquarie zu fahren, einer Stadt an der Coffs Coast. Wegen Überschwemmungen mussten wir einen Umweg machen und noch auf dem, fuhren wir zweimal durch Bäche. Sehr aufregend.
In Macquarie gab es keine Übernachtungsmöglichkeit, aber etwas nördlicher in der Nähe von Kempsey fanden wir einen Campingplatz. Dort kommt niemand vorbei um das Geld einzusammeln, deshalb blieb er für uns bisher gratis. Der Platz liegt direkt am Meer, Duschen und Trinkwasser gibt es im zehn Kilometer entfernten Dorf, die Strände sind leer bis auf ein paar Surfer und wir haben uns gemütlich eingerichtet.
Film anschauen bitte.